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DECON INTERVIEW Nukleare Entsorgung und Zwischenlagerung

John Kettler: Eine Frage zum Ausland: Kommen diese Eigenschaften auch außerhalb des Heimatmarktes zum Tragen, bzw. welche Unterscheide zeigen sich in der Hinsicht weltweit.

Dr. Linus Bettermann: Es lassen sich durchaus weltweit Unterschiede feststellen. Zum Beispiel verwenden wir in Deutschland andere Brennelemente als im Ausland. Das zeigt sich beim Druckwasser: wir haben längere Brennelemente – gut einen halben Meter länger als die meisten Brennelemente im internationalen Vergleich. Dazu ist das Kantenmaß größer, sprich: viele Brennelemente haben einen größeren Durchmesser. Zeitgleich ist es so, dass die Brennelemente in Deutschland heißer sind, weshalb wir höhere Abbrände als in den meisten anderen Ländern der Welt haben. Durch die kleinen Pools, die wir in Deutschland haben, wird auch die Abklingzeit geringer.

Wir wissen schon ziemlich genau, dass wir um den Jahreswechsel 2026/27 die letzten Castorbehälter ausliefern werden. Daher haben wir in den letzten Jahren einen internationalen Expansionsstrategie im Behälterbereich aufgebaut.

Prof. Dr. Giuseppe Modolo: Bei der Stilllegung und auch dem Rückbau verschiedener kerntechnischer Anlagen wurden weltweit umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Die Behandlung und Konditionierung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gilt, auch im industriellen Maßstab, heutzutage als Routinearbeit. Allerdings gibt es auch problematische Abfallstoffe, die besonders beim Rückbau von Nuklear- und Forschungsanlagen anfallen. Diese standen in der Vergangenheit nicht im Fokus der Forschung. Die Herausforderung ist daher die Erforschung der unbekannten Eigenschaften hinsichtlich der Radionuklide und des chemotoxischen Inventars. Die Volumina sind oft klein sind und die Eigenschaften bei der Behandlung und Zwischenlagerung nicht bekannt. Für viele Sonderabfälle sind Strategien, gerade für die Charakterisierung, Behandlung und Entsorgung noch nicht festgelegt worden.

Im Wesentlichen geht es um abgereichertes Uran, wobei sich die Schätzungen in Deutschland auf 100.000 Kubikmeter Reststoffe belaufen. Dazu kommen noch weitere Abfälle wie z.B. C14-Abfälle oder tritiumhaltige Abfälle. Was passiert also mit den Abfällen -wie z.B. Kohlestein- und Graphitmaterialien - aus dem Rückbau der Hochtemperaturreaktoren in Deutschland?

Dr. Jörn Becker: Bei der Zwischenlagerung unterscheidet man im Grunde zwischen dem Konzept der trockenen Zwischenlagerung und der Nasslagerung. Das Projekt „Clab“ aus Schweden dient dabei als Beispiel für die Nasslagerung. Dort existiert ein großes Nasslager mit Pools, das Brennelemente, herbergt, bevor diese in ihr Endlager gebracht werden. Bei dem Konzept der trockenen Zwischenlagerung, wie es zum Beispiel in Deutschland verfolgt wird, unterscheidet man zwischen der sog. „Dual Purpose Casks“ – Transport und Lagerbehälter – und einem Vault-Konzept oder Silo-Konzept.

Wir haben einen Zeitdruck bzgl. unseres Forschungsprogramms, da die ersten Genehmigungen 2034/36 auslaufen. Auf der anderen Seite sieht man, welche große Zeitspanne die Zwischenlagerung abdecken muss, die hinten raus begrenzt ist, abhängig davon, wann das Endlager zur Verfügung stehen wird. An dieser Stelle sind wir im engen Austausch mit der BGE (Bundesgesellschaft für Endlagerung), da die Verfügbarkeit des Endlagers der entscheidende Meilenstein für uns ist. Allerdings rechnen wir damit, dass wir Zwischenlagerzeit von bis zu 100 Jahren in Betracht ziehen müssen.

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Mehr Informationen erhalten Sie auf unserer Online-Veranstaltung DECON vom 16. bis zum 19. November.

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